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Giovanni Boccaccio: Dichter in schwarzen Zeiten

Franziska Meier stellt ihr neues Buch über Boccaccio vor — Dichter im pestgeplagten Florenz —, im Gespräch mit Jonas Maatsch, begleitet von einer Auswahl aus Tempera Mentes Programm Miracolo d’Amore: Madrigale, die durch dieselbe pastorale Welt der Sehnsucht wandern, in die sich die Erzähler des Decamerone flüchten.
Teil von: Internationale Händel Festspiele Göttingen / Göttinger Literaturherbst
Freitag, 9. Oktober 2026 19:00 – 20:00
Klosterkirche Nikolausberg Augustinerstraße 17, 37077 Göttingen
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Featuring a lovestruck shepherd, the Three Graces, a host of nymphs and shepherds, the programme leads the audience through the forests of Arcadia. Cupid lets fly his arrows in madrigals by Claudio Monteverdi, a forsaken lover laments his broken heart in a deeply expressive lament by Sigismondo d’India, while the Three Graces delight in the confusions of human love. The great masters of the Italian madrigal—Luzzasco Luzzaschi, Domenico Mazzocchi, Claudio Monteverdi and Sigismondo d’India—set texts by some of the most celebrated poets of their age, including Giovanni Battista Guarini, Torquato Tasso and Giulio Strozzi. The result is a musical journey into the Arcadian world of the Italian early Baroque, where love is at once miracle, wound and promise.

Programm

  1. MazzocchiUscite a mille a mille
    • ca 2:40
    • CCATB
    • Madrigali a cinque voci, e d’altri varii Concerti (Rome, 1638), no. 1.

    Uscite a mille, a mille dal mio petto, o sospiri

    Zieht aus zu Tausenden, zu Tausenden, aus meiner Brust,

    Ch’entro a musici giri raccor vi deve

    die euch in musikalischen Wendungen sammeln muss,

    e poi spiegarvi al vento

    und euch dann dem Wind entfalten,

    L’adorata cagion del mio tormento

    die angebetete Ursache meiner Qual,

    E così risonar faravvi Amore

    und so wird Amor euch erklingen lassen

    Ne le sue labra almen, se non nel core.

    zumindest auf ihren Lippen, wenn schon nicht in ihrem Herzen.

    Text: Pier Francesco Paoli (1585–c. 1638)Translation: Tempera Mente

  2. MonteverdiCh’io t’ami, e t’ami più de la mia vita
    • ca 9:00
    • CCATB
    • SV 98·Il quinto libro de Madrigali a cinque voce (Venice, 1605), no. 9.

    Ch’io t’ami, e t’ami più de la mia vita,

    Dass ich dich liebe, und dich mehr liebe als mein eigenes Leben,

    se tu nol sai, crudele,

    wenn du das nicht weißt, du Grausame,

    chiedilo a queste selve,

    frag diese Wälder selbst;

    che tel diranno, e tel diran con esse

    sie werden es dir sagen, und mit ihnen zusammen

    le fere loro e i duri sterpi e i sassi

    ihre wilden Tiere, die harten Dornengestrüppe und die Steine

    di questi alpestri monti,

    dieser schroffen Berge,

    ch’io ho sì spesse volte

    die ich so oft

    intenerito al suon de’ miei lamenti.

    mit dem Klang meiner Klagen gerührt habe.

    Deh bella e cara e sì soave, un tempo

    Ach, schöne, teure, einst so süße

    cagion del viver mio mentre al ciel piacque,

    Ursache meines Lebens selbst, solange es dem Himmel gefiel,

    volgi una volta, volgi

    wende dich noch einmal zu mir, ach wende

    quelle stelle amorose,

    jene liebevoll leuchtenden Sterne,

    come le vidi mai, così tranquille

    so ruhig, wie ich sie je gesehen habe,

    e piene di pietà, prima ch’i’moia,

    und voller Zärtlichkeit, ehe ich sterbe;

    che ‘l morir mi sia dolce.

    damit das Sterben selbst mir süß werde.

    E dritto è ben che se mi furo un tempo

    Und es ist nur recht, dass, wenn sie mir einst

    dolci segni di vita, or sien di morte.

    süße Zeichen des Lebens waren, sie nun Zeichen des Todes seien,

    Quei begli occhi amorosi,

    jene schönen, liebevollen Augen;

    e quel soave sguardo,

    und jener sanfte Blick,

    che mi scorse ad amare,

    der mich einst zur Liebe geleitete,

    mi scorga anco a morire;

    möge mich nun auch zum Tode geleiten;

    e chi fu l’alba mia,

    und lass sie, die einst mein Morgenrot war,

    del mio cadente dì l’espero or sia.

    nun der Abendstern meines schwindenden Tages werden.

    Ma tu, più che mai dura,

    Doch du, unnachgiebiger als je,

    favilla di pietà non senti ancora.

    spürst noch immer keinen Funken Mitleid;

    Anzi t’inaspri più quanto più prego.

    im Gegenteil, du wirst nur bitterer, je mehr ich flehe.

    Così senza parlar dunque m’ascolti?

    So, ohne ein Wort zu sagen, hörst du mir also zu?

    A chi parlo, infelice, a un muto sasso?

    Zu wem spreche ich, Unglücklicher, der ich bin? Zu einem stummen Stein?

    S’altro non mi vuoi dir, dimmi almen mori,

    Willst du mir nichts anderes sagen, so sag mir wenigstens: “Stirb!”

    e morir mi vedrai.

    Und du wirst mich sterben sehen.

    Questa è ben, empio amor, miseria estrema,

    Dies ist, erbarmungslose Liebe, das äußerste Elend:

    che sì rigida ninfa

    dass eine so unnachgiebige Nymphe

    non mi risponda, e l’armi

    mir nicht antworten will, und dass die Waffe

    d’una sola sdegnosa e cruda voce

    eines einzigen verächtlichen, grausamen Wortes

    sdegni di proferire al mio morir.

    sie sich nicht einmal auszusprechen herablässt bei meinem Sterben.

    Text: Battista Guarini (1538–1612), Il Pastor Fido (1592), Act 3, scene 3Translation: Tempera Mente

  3. MazzocchiPian piano
    • ca 5:00
    • CCATB bc
    • Madrigali a cinque voci, e d’altri varii Concerti (Rome, 1638), no. 8.

    Pian piano, aure tranquille

    Sachte, sachte, ruhige Lüfte,

    non destate costei.

    weckt sie nicht.

    Dormono i dolor miei;

    Meine Schmerzen schlafen;

    deh, fermatevi! o venti:

    ach, haltet ein, o Winde:

    dormono i miei tormenti.

    meine Qualen schlafen.

    Ma destatela pur, che mai non posa

    Doch weckt sie nur, denn niemals ruht

    beltà crudel che m’è nel petto ascosa.

    die grausame Schönheit, die mir verborgen in der Brust liegt.

    Text: Alessandro Adimari (1579–1659)Translation: Tempera Mente

Ausführende

Komponisten

  • Domenico Mazzocchi 1592–1665
  • Claudio Monteverdi 1567–1643